Samstag, 10. November 2018

“Alles fließt“ Das Internet, das Leben und die Liebe.


Das Internet als Plattform der Begegnung ist vermutlich die innovativste, unfreiwillige Erfindung des 20.Jahrhunderts. Niemand hätte gedacht, das diese Plattform, die für den Kontakt von Militärs und Wissenschaftlern erdacht wurde, in der Zukunft zur Informationsbörse, Dating-Plattform, Datenautobahn, Shoppingmeile und Sprachrohr für Jedermann würde.

Die entwickelte Eigendynamik des Mediums macht klar, es war Zeit für globale Vernetzung. Eine nächste Ebene menschlicher Kommunikationsform. Das ist natürlich nur ein Spiegel aktueller Gesellschaft.
Sowohl die Dummen, als auch die Klugen nutzen das Internet und natürlich die völlig normale Masse. Im Internet herrscht eine völlig eigene Ordnung, die man als Schwarmintelligenz bezeichnen könnte. So produktiv, destruktiv oder innovativ, wie man sie eben manipuliert, wobei wie im richtigen Leben nur wenige Einflüsse den Schwarm lenken.
Dabei ist das Internet immer noch demokratisch, anarchisch und noch relativ frei. Abgesehen von einigen staatlichen und privaten Stalking Aktionen, denen man als versierter User noch vorbeugen kann. Wobei sich zeigt, der Staat versucht mit allerlei Mitteln die Kontrolle wieder zu erlangen und die nahe Zukunft wird zeigen, wer gewinnt, die Macht oder die Masse.

Das Netz hat auch gegenüber der echten offline Welt einen großen Vorteil. Besonders lästige Nutzer, die klickt man hier einfach weg. Da gibt es vielerlei Wege. Doch versucht mal in der realen Welt dort draußen, eure Nachbarn auf die “ignoriert“ Liste zu setzen.
Aber schön ist es trotzdem, den das Blockieren von Usern ist die Adaption des Erschießens im neuen Jahrhundert. Man löst ein Problem endgültig, ganz ohne Blutvergießen. Ich finde besser kann man Humanismus nicht leben.

Natürlich ist es so, das durch die häufige Dominanz der Dummen und der Dummheit viel Gutes und Interessantes verdorben wird. Doch wer gut zu unterscheiden weis, dem kann das Internet helfen, sich die Welt noch viel intensiver zu erschließen. Wer klug zu trennen versteht zwischen on und off, besonders auf emotionaler Ebene. Derjenige der weis das hinter den Nullen und Einsen der binären Zahlencodes, deren sich unsere Kommunikationsmaschinen, die PCs, Laptops, Tabletts und Handys bedienen auch Menschen stehen, aber oft hinter einer Maske, der kann mit diesem Medium wunderbar umgehen und die beiden Welten gut verknüpfen.

Wer diese einfache Regel missachtet, setzt beim Umgang mit dem Medium Internet, die Dramen der offline Welt im Internet nur fort. Das ist dumm. Im Laufe der Jahre, die ich nun schon mit dem Internet lebe, welches zum Teil auch meinen Lebensunterhalt finanziert, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das online Leben erschreckend real sein kann.

Bis vor einiger Zeit lächelte ich noch über online Dates, doch auch da musste ich verstehen, das es zwar richtig ist, wie ich im allgemeinen darüber denke. Doch auch zwischen Einsen und Nullen die Emotionen glühen können.
Ich halte viele Onlineangebote in Sachen Dating und Erotik für eine ziemlich blöde Fleischbeschau und natürlich oft Zeit und Geldverschwendung. Es gibt sehr viele Fakes und falsche Träume, besonders bei kommerziellen Anbietern. Doch es ist in einigen Fällen möglich im Internet einen Partner kennen und lieben zu lernen, wenn man nicht zu intensiv sucht, sondern sich einfach findet. Grundsätzlich ist man beim Onlinedating gut beraten, mehr auf die Qualität des eigenen Angebots zu achten, als nach Schnäppchen zu suchen. Diese Gelegenheiten finden sich von allein.

Diese Dating-Plattformen, wie sie auch alle heißen mögen, halte ich für relativen Unfug. Das ist etwas für die verzweifelt Suchenden, die zu ungeschickt oder dumm sind zu verstehen, dass es den Menschen der auf sie wartet, da draußen offline gibt.
Es sind nichts anderes als eine mehr oder weniger der Fleischbeschau dienenden Theke, ohne wirklichen persönlichen und intellektuellen Hintergrund.
Denn wenn etwas mit Hilfe dieser Plattformen funktioniert, würde es immer passen, auch ohne Internet. Aber ich verurteile es nicht, weil wie gesagt, manchmal passt es eben doch und Ausnahmen bestätigen die Regel.

Doch eine Beziehung entsteht nicht auf Grund ein paar besonders scharfer Fotos, sie entsteht, weil sich zwei Menschen auf einer geistigen, emotionalen Ebene verstehen sollen, wollen und können. Ich konnte diese Erfahrung schon machen. Eine Frau zu finden, die ich nicht suchte.

Irgendwann war Sie in den Kommentaren meiner Artikel, irgendwann interessierte sie mich auf Grund, der Dinge die sie schrieb und irgendwann hatte ich ihre Telefonnummer im Postfach. Nicht ich habe sie gesucht, sondern sie hat mich gefunden.

Es entstand das Bedürfnis mit Ihr zu reden. Die nächste Ebene der Interaktion. Plötzlich war da diese Stimme, mit der Zeit wurde das Gefühl, das viel verbindet, unversehens extrem stark. Irgendwann sagte sie „Ich liebe Dich“ und ich wusste, darauf habe ich gewartet. Wir haben uns verliebt. Einfach so, online und am Telefon. Ohne die üblichen Werdegänge. Er sieht sie, er spricht sie, er will Sie und umgekehrt.

Die normalerweise die Liebe unterstützende biochemische Wirkungskette, war nicht notwendig um Liebe zu schaffen, es war nur der Geist. Der Rest kam dann offline, von ganz allein. Das der Körper, dann das Regiment übernahm und das Kommando gab, jetzt ist es Zeit diese geistige Liebe zu verkörperlichten, scheint mir nur logisch. Sexualität gehört nun mal zu einer Beziehung. Dieses Voranschreiten einer Beziehung folgt tatsächlich sehr den Ideen Platos, seiner Vorstellung platonischer Liebe. Die alles andere als vergeistigt und körperlos war, wie von vielen eher dummen, unbelesenen Personen gerne behauptet wird. Es gab nur Eines in dieser online entstandenen Liebe zu erst, es war der Geist, dann der Körper.

Es ist Vieles schon um so klarer, wenn der Geist ehrlich begehrt. Dass die Körper Chemie stimmt, ist dann der zweite Schritt, nicht der Erste. Der Geist, hat schon immer die Oberhand über das Körperliche besessen, wenn man ihm nur die Chance dazu lässt. Goethe und Charlotte von Stein sind als das klassische Liebespaar der geistigen Paarung berühmt geworden.

Hatte er, Johann Wolfgang von Goethe auch zahllose Liebschaften, so war sie, Charlotte von Stein, doch wohl seine einzig wahre Liebe. Um die Last der Entfernung zu überbrücken, schuf er sich die Möglichkeit seine Charlotte anders zu erfahren. In einen Briefwechsel nach einen Italien Aufenthalt, bat er sie sogar, um Zusendung eines Paares getragener Schuhe, die ihren Duft konservierten. Höschen waren damals noch nicht so in Mode.

Philosophie, die wörtlich übersetzt “alles fließt“ bedeutet, passt heute besser den je in unser Leben. In den Zeiten, da wir unsere Betrachtungen so gravierend verändern.

Aber wahre Liebe, bleibt wahre Liebe. Ein Gefühl kann man nicht neu erfinden. Doch neu, im alten Sinne entdecken. Trotz oder grade, wegen des Internets.

George W. Lästerbacke